{"id":690,"date":"1994-01-21T00:00:00","date_gmt":"1994-01-21T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/?p=690"},"modified":"1994-01-21T00:00:00","modified_gmt":"1994-01-21T00:00:00","slug":"glatteis-fahrerin-landete-mit-brisanter-fracht-im-graben-140","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/1994\/glatteis-fahrerin-landete-mit-brisanter-fracht-im-graben-140\/","title":{"rendered":"Glatteis: Fahrerin landete mit brisanter Fracht im Graben"},"content":{"rendered":"<h2>Atomtransport im Kollerraum<\/h2>\n<p>Brunsb\u00fcttel &#8211; Irgendwann passiert es doch. Auch in Brunsb\u00fcttel. Auf spiegelglatter Stra\u00dfe ist gestern vormittag um 8.35 Uhr ein Kleintransporter mit radioaktiven Stoffen an Bord verungl\u00fcckt. Vor der Kreuzung Ostermoorer Stra\u00dfe\/Fritz-Staiger Stra\u00dfe hatte die junge Fahrerin die Kontrolle \u00fcber das Fahrzeug verloren. Der Transporter rutschte auf den Seitenstreifen und kippte um.<br \/>Die Frau blieb unverletzt und informierte \u00fcber Autotelefon die Brunsb\u00fctteler Polizei. Ihr erz\u00e4hlte sie auch gleich von der brisanten Fracht: 11 Kilogramm radioaktives Molybdaen. Hierbei handelt es sich um Tabletten, die schilddr\u00fcsenkranke Patienten schlucken m\u00fcssen, bevor sie mit R\u00f6ntgenstrahlen durchleuchtet werden. Die Frau hatte das Brunsb\u00fctteler Krankenhaus beliefert und war auf dem Wege zu anderen Kunden. Am Unfallort war zu vernehmen, da\u00df diese Kurierdienstfahrerin gestern auch gleichzeitig Kleidungsst\u00fccke f\u00fcr Boutiquen austeilen wollte.<br \/>Der Leiter der Brunsb\u00fctteler Polizeistation, Bernd Wasmund, r\u00fcckte sofort mit seinem Dosisleistungswarner an und lie\u00df die ganze Ostermoorer Stra\u00dfe absperren. Doch zun\u00e4chst konnte der Beamte keine Radioaktivit\u00e4t feststellen. Erst beim zweiten Rundgang um das umgekippte Fahrzeug schlug das Me\u00dfger\u00e4t an, und zwar unmittelbar unter der Bodenplatte des Transporters. F\u00fcr Wasmund war klar: Hier ist eine Strahlung von mindestens 2,5 Millirem; die Ladung ist offenbar kaputt.<br \/>Schnell funkte er die Kreisleitstelle an. Von dort aus wurde der ABC-Abwehrzug des Kreises Dithmarschen in St. Michaelisdonn alarmiert. Zugf\u00fchrer ist Joa<br \/>chim Rohde, der B\u00fcrgermeister der Gemeinde.<br \/>Der Leiter des Brunsb\u00fctteler Ordnungsamtes, Uwe Jessen, und B\u00fcrgermeister Ernst Tange waren von der Brunsb\u00fctteler Feuerwehr \u00fcber den besonderen Unfall informiert worden. Jessen nahm dann Verbindung mit der unteren Katastrophenschutzbeh\u00f6rde des Kreises auf.<br \/>Am Unfallort herrschte mittlerweile reges Treiben: Unter F\u00fchrung von Jochen Rohde war um 10.30 Uhr &#8211; also zwei Stunden nach dem Unfall &#8211; der ABCAbwehrzug eingetroffen; neun M\u00e4nner aus St. Michaelisdonn und Eddelak. Einige st\u00fclpten Chemie-Schutzanz\u00fcge \u00fcber und legten umluftunabh\u00e4ngige Atemschutzger\u00e4te an. Dann holten sie die aufgebrochenen Kartons aus dem Unfallwagen und steckten sie in sogenannte \u201e\u00dcberf\u00e4sser&#8220;. Erst jetzt informierte die Kreisleitstelle die Presse!<br \/>Fest verschn\u00fcrt standen die gelben F\u00e4sser schlie\u00dflich auf dem kleinen Anh\u00e4nger der Feuerwehr (siehe Foto). Wohin sollte die Reise gehen? &#8211; \u201eWir wissen es nicht&#8220;, antwortete Joachim Rohde. \u201eEs ist noch nicht entschieden, ob die F\u00e4sser irgendwo zwischengelagert oder gleich vom Spediteur wieder abgeholt und entsorgt werden sollen.&#8220;<br \/>Wie Uwe Jessen vom Ordnungsamt sp\u00e4ter berichtete, hatte sich das Brunsb\u00fctteler Atomkraftwerk auf Wunsch des Kreises sofort dazu bereiterkl\u00e4rt, Hilfe zu leisten und die radioaktiven Stoffe sicher zwischenzulagern. Doch dieses Angebot wurde &#8211; vermutlich aus Kostengr\u00fcnden &#8211; ausgeschlagen.<br \/>Das Ende vom Lied: Der Kurierdienst schickte einen heilen<br \/>Transporter, verstaute die Uberf\u00e4sser im Kofferraum und brauste auf und davon. Die Genehmigung zum Transport solcher Stoffe hatte er der Polizei vorgelegt. Bernd Wasmund: \u201eNun mu\u00df die Firma f\u00fcr die Entsorgung sorgen. Dar\u00fcber wird genau Buch gef\u00fchrt.&#8220; Auch Feuerwehr-Einsatzleiter Joachim Rohde hatte \u201ekeine Bedenken&#8220;, denn seine Kameraden konnten an den F\u00e4ssern keine Strahlung mehr feststellen: \u201eMolybdaen geh\u00f6rt zur Gefahren-Kategorie 1. Erst bei Stoffen der Kategorie III mu\u00df man ganz schnell weglaufen. . .&#8220;<br \/>Greenpeace-Atomexperte Roland Hipp aus Hamburg zeigte sich gegen\u00fcber der DLZ\/BZ sehr \u00fcberrascht \u00fcber diesen unb\u00fcrokratischen Abtransport der radioaktiven Fracht: \u201eMan mu\u00df doch eigentlich erwarten k\u00f6nnen, da\u00df der ABC-Abwehrzug die F\u00e4sser solange begleitet, bis sie ordnungsgem\u00e4\u00df entsorgt werden. Eine Strahlung von 2,5 Millirem ist nicht wenig. Sonst w\u00e4re der Stoff ja nicht einer Gefahrenkategorie zugeordnet worden.&#8220;<br \/>Nach Angaben von Greenpeace werden in Deutschland j\u00e4hrlich mehr als 200 000 Transporte mit Stoffen aus dem nuklear-medizinischen Bereich durchgef\u00fchrt, und zwar mit \u201eganz normalen Fahrzeugen&#8220;. Allein Molybdaen werde tonnenweise durch die Republik kutschiert. Da\u00df die Spediteure und Kurierdienste dabei aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden gleichzeitig andere Waren &#8211; wie zum Beispiel Kleidungsst\u00fccke &#8211; im Frachtraum haben, sei \u00fcblich.<br \/>S o in der Tonne ist das Zeug ja ungef\u00e4hrlich, aber wenn du den Kopf da &#8222;reinsteckst, bist du schnell weg&#8220;, scherzte jemand am Unfallort. &#8211; Nat\u00fcrlich, gerade wir in Brunsb\u00fcttel haben gelernt, mit der Angst zu leben und mit der Gefahr umzugehen. Klar ist auch, da\u00df Krankenh\u00e4user noch heute strahlende Stoffe ben\u00f6tigen, um Patienten behandeln zu k\u00f6nnen.<br \/>Dennoch m\u00fcssen die Ordnungsbeh\u00f6rden diesen kleinen Schu\u00df vor den Bug ernst nehmen. Menschen machen eben Fehler. Deshalb darf es nicht ausreichen, dem verungl\u00fcckten Spediteur seine radioaktive Fracht wieder in den Kofferraum zu legen und ihm eine gute Weiterfahrt zu w\u00fcnschen.<br \/>Auch Anfang Dezember, als in Brokdorf Atomm\u00fcll abtransportiert wurde, war die Stra\u00dfe spiegelglatt. Dagegen kann sogar die Polizei nichts tun&#8230;<br \/>Und noch etwas st\u00f6\u00dft auf: Warum wird die Presse erst informiert, wenn die Katze wieder im Sack ist?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Atomtransport im Kollerraum\nBrunsb\u00fcttel &#8211; Irgendwann passiert es doch. Auch in Brunsb\u00fcttel. Auf spiegelglatter Stra\u00dfe ist gestern vormittag um 8.35 Uhr ein Kleintransporter mit radioaktiven Stoffen &hellip;","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-690","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-archiv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/690","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=690"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/690\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=690"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.feuerwehr-eddelak.de\/wcms\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}